Einsatzgebiete
Wurden Ouessantschafe früher von den Bauern noch etwas abschätzig als tierische Dekoration in Kleingärten oder als Streicheltiere in Kleintierzoos abgestempelt, so hat sich diese alte Landschafrasse seit einigen Jahren als anerkanntes Nutztier etabliert, was vor allem auf die geringe Größe und die Genügsamkeit dieser Tiere zurückzuführen ist. Besonders in der biologischen Landwirtschaft erfreuen sich die kleinen Schäfchen als ökologische Rasenmäher immer größerer Beliebtheit. Die Schafe helfen nicht nur das Gras kurz zu halten, sondern liefern gleichzeitig auch hochwertigen Dünger und schließen somit einen ökologischen Kreislauf ohne viel Zutun des Menschen. Ouessantschafe ermöglichen somit die ökologische Bewirtschaftung von Weideflächen, durch den verminderten Einsatz von Pestiziden und die Reduzierung der Spesen für die Wartung landwirtschaftlicher Maschinen und für Arbeitskräfte.
Beweidung schwer zugänglicher Hanglagen
Beweidung von Streuobstwiesen und Kastanienhainen
Der große Vorteil der Haltung von Ouessantschafen für die Beweidung von Arealen auf denen Bäume wachsen ist natürlich vorrangig der Fakt, dass die Schafe die Rinde weder anknabbern, noch abschälen. Nur sehr, sehr junge Bäume müssen durch ein Drahtgeflecht vor den Tieren geschützt werden, da sie sonst an die Baumkrone (saftige Blätter im Frühjahr) kämen.
Sobald man für sich und die eigenen Ansprüche eine genügend große Herde zusammengestellt hat, mäht sich die Wiese fast wie von selbst. Nur Brennnesseln und Disteln werden verschmäht und müssen nachgemäht werden. Dies passiert am besten bevor diese Pflanzen blühen, ansonsten können sie sich sehr schnell ungehindert ausbreiten. Junge Brennnesseltriebe und gemähte, von der Sonne getrocknete Brennnesseln werden von den Schafen dagegen sehr gerne gefressen.
Wichtig bei dieser Art der Weidehaltung ist, dass das Areal in mindesten drei Parzellen aufgeteilt ist, damit die Schafe nicht immer auf der gleichen Fläche stehen. Wenn man die Tiere dann im Abstand von einigen Wochen immer auf die nächste Fläche umweidet, minimiert man nicht nur den Parasitendruck, sondern ermöglicht den abgeweideten Flächen auch einen Regenerationszeitraum, in dem die Gräser und Kräuter ungestört wachsen können.
Beweidung von Weinbergen
Ouessantschafe sind vor allem deshalb so geeignet, weil sie sich aufgrund ihrer geringen Körpergröße (weniger als 46cm Auen, weniger als 49cm Böcke) gut zwischen den Reihen der Reben bewegen können. Die meisten Winzer setzen die kleinen Rasenmäher nur in den Wintermonaten ein, da die Erfahrung gemacht wurde, dass die Ouessantschafe im Frühjahr, wenn das Gras noch spärlich wächst und die jungen Blätter und neuen Blüten der Rebstöcke locken, diese auch sehr gerne anknabbern. Deshalb bleiben die Schafe meist von der Weinlese bis Anfang April im Weinberg, dann werden sie umgeweidet. Während des Winters haben sie das das Gras und unerwünschte Kräuter abgeweidet und letztere z.T. auch vollständig zurückgedrängt. Schließlich begünstigt die Beweidung auch die anschließende Bearbeitung der Parzelle, da das Pflügen dadurch einfacher möglich ist und sich die Schollen leichter wenden lassen.
Im Frühjahr 2013 startete im Schweizer Kanton Wallis ein Versuch Ouessantschafe sogar in den Monaten Mai bis Anfang August zur Begrünungspflege in Weinbergen einzusetzen. Bei diesem Versuch wurden durchaus positive Erfahrungen mit der Rasse gemacht. Betont wird insbesondere dass die Ouessantschafe aufgrund ihrer geringen Größe nicht an die Rebblätter heranreichen. Sie fressen vor allem die Begrünungspflanzen und die an den Stämmen wachsenden Seitentriebe. Für die Weinbauern bedeutet das eine Arbeitsersparnis, da der Arbeitsgang des Stammputzens wegfiele, heißt es auf der Website ‚ITHAKA Journal für Ökologie, Weinbau und Klimafarming‘.
Wolle
Ursprünglich wurden Ouessantschafe vor allem für ihre schwarze Wolle gehalten, die man nicht einzufärben brauchte. Im heutigen Zeitalter hat Rohwolle beträchtlich an Wert verloren und man muss oft froh sein wenn man sie verschenken kann und nicht kostenpflichtig entsorgen muss. Deshalb soll hier kurz auf die positiven Eigenschaften von Ouessantwolle eingegangen werden: Die Wolle der kleinen Schafe ist besonders bei HandspinnerInnen beliebt und eignet sich auch hervorragend zum Filzen. Da bei den Ouessantschafen verschiedene Farben zugelassen sind, kann man sich auch etwas mit schönem Muster anfertigen ohne die Wolle erst einfärben zu müssen.
Stark verschmutzte oder verfilzte Wolle, die nicht für die Weiterverarbeitung geeignet ist kann auch als Dünger im Gemüsebeet verwendet werden. In den Boden eingearbeitete Wolle dient als Wasserspeicher und gibt beim Zersetzen kontinuierlich Nährstoffe ab. Außerdem schützt Wolle auch vor Schnecken im Gemüsebeet, da die ungeliebten Eindringlinge im Wollfett „kleben“ bleiben.
Fleisch
Im Gegensatz zu anderen Schafrassen, hat das Fleisch der Ouessantschafe einen wildbretartigen Geschmack, da diese Rasse noch sehr ursprünglich ist und nicht überzüchtet wurde. Das Filet ist eine Delikatesse und „bockelt“ auch bei älteren Tieren nicht. Ouessantschaf-Fleisch macht sich auch ausgezeichnet in Würsten und Kaminwurzen.
Tierzuchtverein
Ouessantschaf
Südtirol
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