Haltungsbedingungen
Grundvoraussetzungen – Ouessantschafe sind wie alle Schafe Herdentiere, sie dürfen nicht allein gehalten werden! Mindestens 3 Schafe sind Pflicht (so richtig wohl fühlen sich Schafe jedoch erst ab einer Herdengröße von 5 Tieren). Für drei Tiere kann je nach Bewuchs ca. 1000-1500 m² Weide gerechnet werden (300-500m² pro Tier).
Grundbedürfnisse – Ouessantschafe benötigen einen an drei Seiten geschlossenen Unterstand, sauberes Wasser, Gras und Heu zur freien Verfügung. Außerdem einen Salzblock, sowie einen Mineralleckstein (gibt es extra für Schafe). Die Weiden müssen ausbruchsicher eingezäunt sein. Mindestens einmal täglich sollten die Schafe kontrolliert werden, während der Lammzeit auch öfter.
Fütterung – Die Schafe kommen aus einer sehr kargen Region, sie gedeihen auch auf mageren Weiden. Gutes Heu (2. oder 3. Schnitt) sollte immer zur freien Verfügung stehen, damit die Tiere ihren Bedarf an Raufutter decken können. Erfahrungsgemäß, wird das Heu vor allem während der Umstellung von reiner Heufütterung auf Weide im Frühling gut angenommen, da das junge Gras sehr proteinreich ist und kaum Raufaser enthält. Auch Eicheln, Kastanien, Äpfel und Möhren werden von vielen Schafen gerne gefressen. Sie müssen langsam angefüttert werden, eine zu schnelle Umstellung oder zu große Mengen können zu Verdauungsproblemen bis hin zum Tod führen.
Ouessants brauchen kein Kraftfutter, höchstens trächtige Mutterschafe kann man im letzten Drittel der Trächtigkeit und während der Laktation, bis es wieder genügend Gras gibt, mit einer kleinen Handvoll geschrotetem Getreide pro Tag unterstützen. Auch hier gilt: Jede Futterumstellung muss unbedingt langsam erfolgen! Die Fütterung von altem/trockenem Brot sollte wenn überhaupt, nur in Maßen erfolgen. Schimmeliges Brot darf auf keinen Fall verfüttert werden!
Die Schafe müssen immer Zugang zu einem Salz- und einem Mineralleckstein (bzw. Leckmasse) haben. Diese müssen sauber und trocken am besten leicht erhöht angebracht werden. Viele Menschen unterschätzen die Wichtigkeit dieser Salz- und Mineralienquellen, Viele Mineralien kommen im Boden nicht in genügend großen Mengen vor, sodass die Tiere einen Mangel entwickeln. Besonders bei tragenden Mutterschafen und Lämmern kann das tödlich enden. Umgekehrt ist auch ein Zuviel an bestimmten Spurenelementen nicht gesund für die Schafe. In Südtirol ist vor allem Kupfer ein heikles Thema. Ouessantschafe weden gerne zur Beweidung von Weinbergen eingesetzt, in denen auch Kupfe gespritzt wird. Das Kupfer reichert sich in der Leber der Tiere an und kann zu Fehlgeburten, lebensschwachen Lämmern und dem Tod von erwachsenen Tieren führen. Hier hat sich ein Weidewechsel etabliert: Die Schafe können im Winter, nach der Weinlese, zwischen den Reben fressen und werden im Frühling auf eine Weide umgestellt, auf der kein Kupfer gespritzt wird. Dann kann die Leber das überschüssige Kupfer über den Sommer abbauen. Wichtig: in Südtirol sollte besonders darauf geachtet werden, dass der Leckstein kein Kupfer enthält!
Schur – Mindestens einmal im Jahr wird geschoren. Die Schur sollte frühestens Ende Mai/Anfang Juni erfolgen, sodass die Tiere nicht frieren. Bei einer Schur im Mai/Juni hat die Wolle auch genügend Zeit bis zur Körung im September wieder nachzuwachsen. Eine zu kurze Wolle lässt kann nicht bewertet werden. Ein zweites Mal kann eventuell im September/Oktober geschoren werden, wenn die Schafe aufgestallt werden (bei Ouessantschafen eher unüblich).
Achtung: Auch wenn es der Rassestandard nicht vorsieht haben einige Ouessantschafe Glöckchen (Hautlappen wie Ziegen) am Hals, bei der Schur kann es schnell passieren, dass sie zusammen mit der Wolle wegrasiert werden, was zu Blutungen führen kann.
Klauenpflege – Je nach Bodenbeschaffenheit muss man 1-4 Mal im Jahr die Klauen schneiden. Bei steinigen Böden und relativ steilen Hängen reicht meist 1-2 Mal Klauen schneiden. Man merkt, dass ein Klauenschnitt fällig ist, wenn die Klauenränder länger werden und sich gegebenenfalls einrollen, bzw sich die Klauen nach oben biegen. Außerdem sehen die Klauen von Außen betrachtet unverhältnismäßig lang und spitz aus. Die Klauen sollten so geschnitten werden, dass die gesamte Unterseite der Klaue eine gerade Fläche bildet.
Innenparasiten – Schafe sollten nur entwurmt werden, wenn sie auch von Parasiten befallen sind. Regelmäßige Wurmkuren ohne Grund sind wirkungslos und können Resistenzen begünstigen. Ein Befall mit Innenparasiten kann relativ zuverlässig am Allgemeinzustand erkannt werden. Haben ein oder mehrere Tiere der Herde stumpfe Wolle, blasse Schleimhäute oder an Gewicht verloren, sollten diese Tiere entwurmt werden. Eine Kotprobe gibt Aufschluss darüber, um welche Würmer es sich handelt, sodass gezielt entwurmt werden kann. Der Kot muss unbedingt frisch sein, am besten wird er direkt vom After der Tiere abgesammelt oder aber sofort nach dem Absetzen des Kotes aufgesammelt.
Außenparasiten – hier sollte man die Tiere regelmäßig beobachten und wenn z.B. häufiges Kratzen oder kahle Stellen auffallen, die Haut auf kleine Tierchen untersuchen (am Besten geht das nach der Schur). Bei Bedarf kann man entsprechende Mittel gegen Außenparasiten einsetzen.
Impfungen – in Südtirol sind Clostridien Todesursache Nr. 1 bei Schafen, weshalb die Impfung gegen Clostridien selbstverständlich sein sollte. Dabei muss die Grundimmunisierung schon beim wenige Monate alten Lamm erfolgen. Es wird mit ca. 2 Monaten das erste Mal geimpft und ein Monat später nochmals, um eine Grundimmunisierung zu gewährleisten. Dann erfolgt die Impfung alle 12 Monate. Über weitere Impfungen kann der zuständige Amtstierarzt Auskunft geben.
Brunst & Lammung – Ouessantschafe sind saisonal, d.h. sie werden grundsätzlich im Herbst brünftig. Die Brunft ist von Ende September bis Anfang Januar, die Lämmer kommen normalerweise ca. 150 Tage (+/- 5 Tage) nach dem erfolgreichen Deckakt von Anfang März bis Anfang Juni zur Welt.
Krankheiten – Ouessantschafe sind eigentlich eine sehr robuste Schafrasse. Doch auch sie können nur mit einem Minimum an guter Pflege gesund bleiben. Dessen sollte sich jeder bewusst sein, der an die Anschaffung dieser Rasse denkt. Robust und widerstandsfähig heißt nämlich nicht, dass man die Schafe das ganze Jahr vernachlässigen oder sich selbst überlassen soll! Wenn die Grundbedürfnisse wie trockener, zugfreier Unterstand, gutes Heu (2. oder 3. Schnitt) und Gras, sauberes Wasser und die ausreichende Versorgung mit Mineralien und Vitaminen sichergestellt sind, kann man sich normalerweise an gesunden und kräftigen Tieren erfreuen.
Eine Krankheit, die bei Ouessantschafen häufiger auftritt ist die Augenentzündung. Dabei werden die Augen von einem milchig-weißen Schleier überzogen und tränen. Die Schafe blinzeln häufig und meiden die Sonne. Die Entzündung heilt normalerweise nach 2-3 Wochen von alleine wieder ab. Bei den meisten Tieren ist so eine Augenentzündung eine einmalige Sache, bei manchen kommt sie aber immer mal wieder.
Gefahren – Der Fuchs kann zum Feind für die winzigen Lämmchen werden. Da die Füchse vom Blutgeruch angezogen werden, sollte die Nachgeburt sofort nach Beendigung des Geburtsvorganges entfernt werden und das Neugeborene muss in den ersten Tagen unter besonderer Beobachtung stehen, bis es ganz trocken und sauber ist und ihm keine Blut- und Schleimreste mehr anhaften. Macht der Fuchs trotzdem Probleme, kann man Mutter und Kind die ersten 2-3 Wochen Nachts aufstallen, bis das Lamm zuverlässig der Herde folgen kann.
Heunetze und Weidenetze können zur Gefahrenquelle für die Schafe werden, da sich die Böcke mit den imposanten Hörnern darin verheddern können und auch weibliche Tiere haben sich schon mit den Füßen oder dem Kopf in solchen Netzen verfangen. Bei Zäunen empfiehlt sich entweder Wildzaun (festes Drahtgeflecht) oder wenn es ein mobiler Zaun sein muss, dann mit ordentlich Strom, damit die Tiere Respekt davor haben und dem Zaun fern bleiben.
Bei guter Pflege können Ouessantschafe zwischen 10 und 15 Jahre alt werden. Es hat Schafe gegeben, die 23 Jahre alt wurden – dies sind aber sicher Ausnahmen.
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